20. Rudolfsgnader Treffen am 24. September 2011

Das 20. Rudolfsgnader Treffen hat am 24. September 2011 in Villingen-Schwenningen stattgefunden. Rund 100 Landsleute kamen,
es waren Besucher aus Deutschland, Frankreich, Österreich undKanada anwesend.

Totengedenken auf dem Waldfriedhof um 14.00 Uhr:
Bei der Kranzniederlegung am Mahnmal auf dem Waldfriedhof in Schwenningen gedachte der Vorsitzende der Heimatortsgemeinschaft (H.O.G.) Richard Harle, der Toten von Rudolfsgnad. Er erinnerte aber auch an die über 100 Rudolfer, die bereits auf dem Schwenninger Waldfriedhof ihre letzte Ruhestätte gefunden haben. Wenn es zutrifft, dass dort Heimat ist, wo man seine Gräber hat, haben viele Rudolfer Familien eine neue Heimat gefunden.
Das Wissen der Erlebnisgeneration ist ein Bindeglied zu unserer alten Heimat und ein Baustein für die Zukunft unserer nachfolgenden Generationen, denn wer nicht weiß, woher er kommt, weiß auch nicht wohin er geht. Die Wurzeln einer Familie sind die Grundlage für das Blühen und Gedeihen der nachfolgenden Generationen.
Die Gedenkfeier, die mit dem Rudolfsgnader Trauermarsch begonnen wurde, mit der Ansprache von Richard Harle, der Kranzniederlegung mit dem „Lied vom guten Kameraden“, endete mit einem gemeinsam gesprochenen „Vater unser“ und einem Gedicht von Jakob Wolf:

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Das Grab der Mutter

(Jakob Wolf, der donauschwäbische Dichter, schrieb dieses Gedicht zum Andenken an seine Mutter)

Wo ist das Grab?
Es braucht nicht Muttertag zu sein:
Ich wüsste es auch von allein,
dass ich zum Grab der Mutter ginge,
ihr einen Kranz ans Holzkreuz hinge.
Doch frag ich erst: Wo ist das Grab,
in das man sie zur Ruhe gab?
Kein Mensch der mir zu Rate steht,
kein Mensch, der Red und Antwort steht,
kein Mensch will etwas davon wissen,
wie ihr das wunde Herz zerrissen
und weiter ich die Frage hab:
Wo ist das Grab, wo ist das Grab?
Ob sie auf Wiedersehen geharrt?
Ob sie im Massengrab verscharrt?
Vielleicht hat man sie gar vergessen,
dass sie von Raben aufgefressen?
Ob sie als Tote Ruhe fand
in diesem seelenlosen Land?
Wo immer sie auch liegen mag:
Ich hör sie rufen Tag für Tag.
Ich kann mich für mein ganzes Leben
wohl nimmermehr zufrieden geben,
es welkt der Strauß in meiner Hand,
weil ich der Mutter Grab nicht fand.
Die Gedenkfeier auf dem Friedhof mit Kranzniederlegung ist der Beginn eines jeden Rudolfer Treffens.

Treffen im Saal des Hotels Neckarquelle
Freunde, Nachbarn und Verwandte hatten hier Gelegenheit Neuigkeiten und Familiennachrichten auszutauschen und alte Erinnerungen wieder wachzurufen. Das Gespräch der Besucher „schwärmte“ wie in einem Bienenstock, jeder freute sich dabei zu sein.

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Es war eine Freude zu sehen wie sich Freunde und Verwandte, oft nach langer Zeit, herzlich begrüßten.

Das neue Rudolfsgnader Familienbuch 1866-1944

Großes Interesse fand das Rudolfsgnader Familienbuch (1866-1944). Dieses Buch wurde auf der Grundlage der Kirchenbücher 1866 – 1938 / oo 1944 / +1930 erstellt. Diese Angaben wurden durch weitere Quellen ergänzt. Richard Harle, der Vorsitzende der Heimatortsgemeinschaft Rudolfsgnad, dankte Philipp Lung und seiner Mitarbeiterin Elisabeth
Annau geb. Kirchner herzlich für diese umfangreiche Dokumentation. In seinem Vorwort zu diesem Buch führte Richard Harle u.a. aus:
„Die Rudolfsgnader Kirchenbücher waren nach unserer Meinung verschollen und unwiederbringlich verloren. Und nun haben wir eine digitalisierte Kopie der Bücher vorliegen, Aufzeichnungen beginnend mit der Ortsgründung im Jahre 1866. Philipp Lung hat daraus das grundlegende Rudolfsgnader Familienbuch geschaffen. Es ist das Fundament einer jeden Familienforschung der Rudolfsgnader. Siebenundsechzig Jahre nach dem Exodus – dem Auszug aus Rudolfsgnad am 3. Oktober 1944 – nach den schicksalhaften Jahren, der Flucht und der Vertreibung, der schweren Zeit im Lager, glaubte niemand mehr, dass so etwas möglich sein wird. Die mit dem Exodus entstandene H.O.G. Rudolfsgnad besteht seit dem 3. Oktober 1944, dies sind nunmehr 67 Jahre. Es ist eine Schicksalsgemeinschaft der Nachkommen der Siedler des Jahres 1866, die gemeinsame „Wurzeln“ hat.

Mit dem 20. Rudolfsgnader Treffen und den vielen ungezählten Treffen und Begegnungen der Rudolfsgnader in aller Welt, wurde und wird die Schicksalsgemeinschaft als lebendige Heimatortsgemeinschaft gepflegt und geschätzt. Wir haben durch Aufzeichnungen in Archiven, durch Schriften und Bücher, durch Gedenkstätten und Mahnmale unsere Gemeinschaft dokumentiert und dargestellt. Wenn die Rudolfsgnader Ortschronik des Jahres 1891 und das Buch 100 JahreRudolfsgnad 1866-1966, Meilensteine der Dokumentation waren, so ist dieses Familienbuch, erarbeitet aus dem Kirchenbuch der katholischen Kirchengemeinde das Fundament der Rudolfsgnader Familienforschung.
Wir sind stolz auf dieses Werk und danken unserem Landsmann Philipp Lung und seiner Mitstreiterin Elisabeth Annau geb. Kirchner für dieses Familienbuch, das in jeder Rudolfsgnader Familie, für uns und unsere Nachkommen, einen Platz haben sollte.“
Grußworte der Patengemeinde Leutenbach:
Ilse Harle, Stellvertretende Bürgermeisterin der Patengemeinde Leutenbach, überbrachte die Grüße von Bürgermeister Jürgen Kiesl.
Die Gemeinde Leutenbach bei Stuttgart, hat 1955 Patenschaft über die donauschwäbische Gemeinde Rudolfsgnad übernommen.
Bürgermeister Jürgen Kiesl grüßt die Besucher des 20. Rudolfer-Treffens und wünscht der Veranstaltung einen guten Verlaufvon LM Lorenz Baron:
Lorenz Baron, der am Treffen nicht teilnehmen konnte, übermittelte in einem schriftlichen Grußwort den Besuchern seine Grüße. Er hat am 19. September 2011, das Bundesverdienstkreuz am Bande in Kirchheim/Teck verliehen bekommen. u.a. für seine großen Verdienste und seinen Einsatz für die Errichtung der Gedenkstätten für die Toten von Rudolfsgnad auf der Teletschka und auf dem Friedhof von Rudolfsgnad /Knicanin, sowie für den Wiederaufbau der Friedhofskapelle in Rudolfsgnad/ Knicanin. Die H.O.G. gratuliert Lorenz Baron herzlich zu dieser hohen Auszeichnung.
Von Cheyenne Kertes:
In einer E-Mail-Botschaft grüßte Cheyenne Kertes, die Enkelin der Rudolferin Susi Kertes geb. Werth, aus Kanada die Teilnehmer am Rudolfer Treffen. Sie bedauerte sehr, dass sie diesmal aus schulischen Gründen nicht mit ihrer Oma zum Treffen kommen konnte. Sie hofft sehr, dass es nicht das letzte Treffen der Rudolfer war. Sie möchte das nächste Mal wieder dabei sein, um ein „schwowisches“ Gedicht vorzutragen.
Die „Rudolfer Musikanten“ Hans Wittmann und Elisabeth Annau geb. Kirchner haben mit ihren heimatlichen Klängen wieder zum Gelingen des Treffens beigetragen. Ausklang des 20. Rudolfer-Treffens:
Am Sonntag, dem 25.September 2011 trafen sich einige Rudolfer zu einem abschließenden Frühschoppen im Gasthof „Neckarquelle“.
Und es stellte sich wie immer die Frage: „Wird es noch einmal einRudolfsgnader Treffen geben?“ Richard Harle meinte dazu: „Wennsich auch nur zwei Rudolfer treffen wollen, so sollen sie sich treffen!“