23. Rudolfsgnader Treffen am 9. September 2017 – Rückblick

 

23. Rudolfsgnader Treffen in Villingen-Schwenningen am 09. September 2017

73 Jahre nach der Flucht aus der donauschwäbischen Heimat Rudolfsgnad – einem Dorf im Banat an der Mündung der Theiß in die Donau – haben sich wieder ehemalige Bewohner und ihre Nachkommen in Schwenningen in der Gaststätte „Wildpark“ getroffen.

Nach dem zweiten Weltkrieg haben viele Rudolfsgnader Familien in Schwenningen eine neue Heimat gefunden. Weit über 100 Angehörige wurden schon auf dem Waldfriedhof bestattet.

Genau auf diesem Friedhof begann auch das 23. Rudolfsgnader Treffen mit dem Totengedenken am großen Gedenkkreuz, mit dem Niederlegen eines Blumenbuketts und einer Gedenkrede. Der Musiker Steffen Haller hat es verstanden, die Anwesenden mit seinem Trompetenspiel emotional anzusprechen. Der „Rudolfsgnader Trauermarsch“ hat alle ergriffen. Die Gedenkrede hielt der Vorsitzende der Heimatortsgemeinschaft (H.O.G.) Rudolfsgnad, Richard Harle. Er stellte fest, wenn dort Heimat ist, wo man seine Gräber hat, dann haben viele Rudolfsgnader Familien in Schwenningen eine neue Heimat gefunden. Sie wurden Schwenninger durch aktive Teilnahme am Gemeinschafts- und Arbeitsleben.

Traditionell beginnt jedes Treffen der Rudolfsgnader Donauschwaben mit einem Totengedenken. Diese Toten sollen nicht vergessen sein, aber die Teilnehmer an den Treffen freuen sich jedes Mal, Verwandte, Freunde und ehemalige Nachbarn zu treffen. Dazu war im Anschluss an die Gedenkfeier Gelegenheit gegeben in der Gaststätte „Wildpark“. Bei diesem Treffen wurden auch ganz besonders die „Neu-Rudolfer“ begrüßt. Dies sind Donauschwaben die in der Zeit von 1945 – 1948 in dem Vernichtungslager Rudolfsgnad interniert wurden. Sie stammten aus anderen donauschwäbischen Städten und Gemeinden. Sie kamen teilweise als Kinder in dieses Lager (mit 33.000 Gefangenen) und haben dennoch trotz der über 12.000 Toten das Martyrium überlebt. Sie wurden herzlich im Kreis der „Alt-Rudolfer“ aufgenommen. Ein Ehepaar kam selbst aus Luxemburg angereist, um alte Leidensgenossen und Freunde aus dieser Zeit zu treffen.

Richard Harle begrüßte insbesondere auch Lorenz Baron mit Gattin, die beide sich im „Verein Gedenkstätten Rudolfsgnad e.V.“ um die Errichtung von Mahnmalen für die 12.000 Toten des Lagers verdient gemacht haben. Es entstand daraus eine völkerverbindende Aktion. Im Jahr 2000 gelang es, den Sekretär der Ortsverwaltung von Knicanin (so heißt Rudolfsgnad heute) für die Idee, der Restaurierung der alten Friedhofskapelle und der Errichtung der Gedenkstätten zu gewinnen. Es entstand sogar ein serbischer Schwesterverein für die Erhaltung und Pflege der Gedenkstätten. Helga Baron konnte die telefonisch übermittelten Grüße aus Knicanin an die Teilnehmer des Treffens weitergeben. Es ist eine Versöhnung über den Gräbern.

Die Heimatortsgemeinschaft Rudolfsgnad und die Landsmannschaft der Donauschwaben in der Bundesrepublik Deutschland bemühen sich, diese Gedenkstätten in die Obhut des Volksbundes deutscher Kriegsgräberfürsorge zu überführen.

Der Vorsitzende konnte des weiteren herzliche Grüße aus Toronto übermitteln. Einen besonderen Gruß zu diesem Treffen konnte er auch vom Bürgermeister der Gemeinde Leutenbach bei Stuttgart, Jürgen Kiesl, der Patengemeinde von Rudolfsgnad, überbringen. Leutenbach hat seit 1955 die Patenschaft über die donauschwäbische Heimatortsgemeinschaft (H.O.G.).

Einen herzlichen Dank sprach der H.O.G.-Vorsitzende an den Familienforscher Philipp Lung aus. Seine Forschungen und Veröffentlichungen, die Rudolfsgnad betreffen, sind die Grundlage unserer Familienforschung. Die Aufarbeitung der Kirchenbücher von der Gründung 1866 bis zum Ende des donauschwäbischen Dorfes Rudolfsgnad ist für die Rudolfer ein unbezahlbares Geschenk.

Das lebhafte Gespräch und die freudige Begegnung der rund 80 Teilnehmer des Treffens währte bis in den Abend hinein in der Gaststätte „Wildpark“. Die Vorbereitungen zum Rudolfer Treffen wurden vom Schwenninger Festausschuss unter der Leitung von Alfred Blees hervorragend durchgeführt, so dass die Teilnehmer in zwei Jahren gerne wieder nach Schwenningen kommen wollen.

Die Enkelin einer Rudolferin in Kanada, die mit ihrer Großmutter zum Treffen kommen wollte, aber wegen gesundheitlicher Probleme der Oma absagen musste, schickte ein Gedicht per E-Mail als Gruß an die Landsleute. Diesen Text wollte sie eigentlich beim Treffen persönlich vortragen.

Schon als kleines Mädchen erfreute Cheyenne Kertes die Besucher bei den Treffen mit

Gedichten in Mundart. Die schwowische Sproch hat sie von ihrer Großmutter Susi Kertes geb. Werth gelernt:

Mei Mottersproch

(frei nach Catherine Grosskopf )

Mei Mottersproch is Schwowisch,

ihr Zärtlichkeit die lob‘ ich.

Net jeder kann se glei versteh’n,

drum, denk ich, is se gar so scheen.

Mr kann drbei a schmunzle,

on kriet drvun ke Runzle.

Drhem han alli so geredt,

es war for niemand a Gfrett.

Hochdeitsch hat mr in dr Schul‘ gelernt,

von guter Schrift hat jeder gschwärmt.

Mr soll es net verhehla,

etwas Schwowisch zu verzähla,

weil Schwowisch doch net jeder kann,

Hochdeitsch awer jedermann!

Mit diesem Bericht grüßt der Ortsausschuss der H.O.G. Rudolfsgnad die Landsleute in aller Welt.

 

 

Foto: Gedenkfeier auf dem Schwenninger Waldfriedhof