Heimatmuseum in Leutenbach

Zur Geschichte der Donauschwäbischen Heimatstube im Heimatmuseum in Leutenbach bei Stuttgart

Von : Richard Harle

Die Gemeinde Leutenbach übernahm am 18. November 1955, auf Anregung meines Vaters, Josef Harle, die Patenschaft über die donauschwäbische Gemeinde Rudolfsgnad. Der Gemeinderat, dem er angehörte, faßte diesen Beschluß einstimmig. Damit wurde der erste offizielle Bezug der Gemeinde Leutenbach zu den Donauschwaben hergestellt.

Als in Leutenbach ein örtliches Heimatmuseum geschaffen wurde, erhielten die Rudolfsgnader das Angebot, in diesem örtlichen Heimatmuseum eine „Rudolfsgnader Heimatstube“ einzurichten. Dieses Angebot wurde dankbar angenommen, mit der Bitte, diese Heimatstube als „Donauschwäbische Heimatstube“ einrichten zu dürfen. Dieser Vorschlag wurde von mir gemacht, um damit für alle Donauschwaben in Leutenbach einen heimatlichen Bezug herzustellen. Der Antrag wurde von Bürgermeister Horst Gebhard, dem Vertreter der Gemeinde Leutenbach, positiv aufgenommen. So konnte 1986 anläßlich der 120Jahrfeier von Rudolfsgnad in Leutenbach die neu geschaffene „Donauschwäbische Heimatstube“ feierlich eröffnet werden. Die Konzeption des örtlichen Heimatmuseums war für die Schaffung der Heimatstube äußerst günstig. Das Museum versteht sich nicht als „Ausstellungsraum“ für volkskundliche und historische Gegenstände. Es soll vielmehr, mit der Einrichtung der einzelnen Räume eines alten schwäbischen Bauernhauses, der Eindruck eines „bewohnten Hauses“ vermitteln. Es wurde eine Wohnstube, eine Küche, ein Schlafzimmer und diverse Nebenräume eingerichtet. Damit war auch die Konzeption für die „Donauschwäbische Heimatstube“ vorgegeben. So wurde es ein Raum, der in Rudolfsgnad eine „Stub“ genannt wurde, ein Raum, der bei der Ansiedlung von Rudolfsgnad als Wohn- und Schlafraum konzipiert war. Für mich wurde damit die „Stub meines Thurn’s-Großvadders“ wieder lebendig. Wie sieht eine solche „Stub“ aus? In der Mitte steht ein schwerer Holztisch mit stabilen verzapften Holzstühlen, in der Ecke steht ein großes Bett, in dem die kleinen Kinder ihre Schlafstatt haben, eine große „Kredenz“ dient zur Aufnahme des Tafelgeschirrs, des Eßbestecks und der Tischwäsche. Ein offenes Regal für Schüsseln und Krüge. Über dem Tisch hängt eine charakteristische Lampe, wie sie auch in vielen anderen donau- schwäbischen Stuben vorhanden war, verstellbar in der Höhe um der Beleuchtung des Raumes verschiedene Möglichkeiten zu geben. Mit einer zweiten tragbaren Lampe wird die Beleuchtung der „Stub“ ergänzt.

Das Bett ist mit dicken Federbetten, in handgestickten Bezügen, eine wahre Zuflucht für die Kinder in kalten Winternächten. Und was in keiner donauschwäbischen Stube fehlen darf, das „Stand-Kruzifix“ in seiner typischen Form, wie es noch heute in vielen schwäbischen Stuben in Ungarn zu finden ist. Hinzu kommen noch verschiedene Gegenstände für den täglichen Gebrauch. Die Stube strahlt bäuerliche Behaglichkeit aus. So war die „Stub“ meines Großvaters, und so ist unsere donauschwäbische Heimatstube im Heimatmuseum in Leutenbach. Im Raum sind noch zwei Mädchentrachten in Originalgröße, eine aus Filipowa und eine aus Rudolfsgnad, sowie ein „Kerweihut“ aus Rudolfsgnad aufgestellt. Mit vielen authentischen Details, mit Sorgfalt und Mühe zusammengetragenen Leihgaben, ist es gelungen einen Eindruck des bäuerlichen Lebens der Donauschwaben zu vermitteln.

HeimatstubeEs ist mit dieser „Donauschwäbischen Heimatstube“ auf musealem Gebiet etwas gelungen, das viele Jahre vorher, nach dem Zweiten Weltkrieg, die Donauschwaben geschafft haben: die Integration in die örtliche Bevölkerung. Das aktive Einbringen des donauschwäbischen Kulturerbes, wird eine Bereicherung des Leutenbacher Heimatmuseums.

Und ein Weiteres kam hinzu: mit der Partnerschaft der Gemeinde Leutenbach mit der Gemeinde Dunabogdany /Ungarn, im Jahre 1990, werden die Donauschwaben in Leutenbach von ihrer Geschichte eingeholt. Auf ihre Anregung kommt diese Partnerschaft zustande, und sie werden so zu Vermittlern und Förderer dieser völkerverständigenden Beziehungen.

Die Partnerschaft mit Dunabogdany wurde zwischenzeitlich eine erfreuliche Bereicherung des kulturellen Lebens in Leutenbach. So wurde mit der Patenschaft über die donauschwäbischen Gemeinde Rudolfsgnad, der Einrichtung der donauschwäbischen Heimatstube und der Partnerschaft mit Dunabogdany, wo heute noch rd. Sechzig Prozent „Schwaben“ ansässig sind, eine beachtliche integrative Leistung erbracht, zum Wohle aller beteiligten Partner. Leutenbach und die Donauschwaben schreiben gemeinsam ein Kapitel der Nachkriegsgeschichte, das für die Zukunft von Europa einen kleinen, aber wichtigen Beitrag leistet.