Kirche

Entstehung und Untergang eines donauschwäbischen Gotteshauses im Banat

Am 1. November 1977 wäre die Rudolfsgnader Kirche 100 Jahre alt geworden, wenn es sie noch gäbe. Mit ihrer Sprengung im Herbst 1944 begann der Untergang der einst blühenden reindeutschen Siedlung Rudolfsgnad an der Theiß, gegenüber von Titel. Die Kirche diente den Gläubigen nur 67 Jahre lang. In der Erinnerung aller Rudolfsgnader besteht dieses Gotteshaus noch immer.

 

Rudolfsgnad war, mit geringen Ausnahmen eine katholische Gemeinde, gehörte in kirchlicher Beziehung zum Csanader Bistum und zum Weißkircher Dekanats-Distrikt. Verwaltungsmäßig war die Gemeinde Bestandteil des Torontaler Komitats und dem Betschkereker Zentralstuhlrichteramtes zugehörig.  Der Segediner Baumeister Josef Kowatsch übernahm den Bauauftrag und konnte bis zum Eintritt des Hochwassers 1876 bereits das Kirchenschiff unter Dach bringen und das Mauerwerk bis zur Turmhöhe aufbauen. In der Überschwemmungszeit 1876 wurde verschiedenes Kirchenbaumaterial, Gerüstholz und anderes, zur Abwehr der Fluten verwendet.

 

In seinem Roman „Glocken der Heimat“ gibt Adam Müller-Gutenbrunn eine dramatische Schilderung der Überschwemmung  von Rudolfsgnad, das er allerdings Karlsdorf nennt.Da Karlsdorf nicht an der Theiß liegt, treffen die Schilderungen Gutenbrunns teilweise auf Rudolfsgnad zu.

Kirchweihe in Rudolfsgnad

Bild KircheSie hatten es alle schwer, die schwäbischen Kolonisten, so hart getroffen wurde aber kaum eine andere Gemeinde wie Rudolfsgnad an der Theiß, nahe der Donaumündung. Die Freude war daher riesengroß, als die in gotischem Stil erbaute Kirche am 1. November 1877 der heiligen Katharina geweiht werden konnte. Die Rudolfsgnader fanden ihre Kirche wunderschön und waren stolz mit ihr. An der vorderen Turmseite war eine rote Marmorplatte eingemauert mit der Inschrift:  “ Zur Erinnerung an das 25jährige Regierungs- jubiläum Sr. Majestät des Kaisers und Königs Franz Josef I.   Die dankbare Gemeinde.“ Kirche und Inschrift sollten bleibendes Andenken der dankbaren Bewohner an den erhabenen Gründer der aufblühenden Gemeinde sein. Das große und schöne Altarbild, die Auferstehung Christi darstellend, war ein Geschenk des Seligen Bischofs Bonnaz. Die übrigen Kircheneinrichtungen wurden durch die Gemeinde und durch freiwillige Spenden aufgebracht. Die besonders gute und große Orgel war ein Meisterwerk des berühmten Orgelbauers Josef Angster aus Fünfkirchen. Der Hochaltar, ebenfalls in gotischem Stil, war ein gelungenes Werk des Leo Werl aus Würzburg.